Niedlich oder Plagegeist?

Wissenswertes über Waschbären

Warum heißen Waschbären Waschbären?

Waschbär Plagegeist PetronellaWusstest du, dass der Waschbär eigentlich gar nicht Waschbär heißen sollte? Seine Pfoten sind genauso zart und empfindlich wie deine Hände und Füße. Er liebt es, nachts umherzustreifen. In der Dunkelheit kann er mit seinen feinen Fingerchen den Boden wie mit einer Sonde abtasten. Er fühlt besonders gerne im seichten Wasser nach Essbarem. Die Menschen, die ihn dabei beobachteten, dachten, dass er etwas wäscht. Deshalb wurde er in Deutschland „Waschbär“ getauft.

Was frisst ein Waschbär gerne?

Er mag vieles, was du auch gern isst, wie Früchte, Nüsse, Eier oder Fleisch. Er mag aber auch Eicheln, Insekten, Krebse und Regenwürmer. Hauptsache, er muss sich nicht anstrengen! Besonders hungrig ist er im Herbst. Dann frisst er sich dick und rund. Wenn der erste Schnee fällt, macht er es sich in einem Versteck gemütlich und zehrt von seiner Speckschicht. Er hält aber keinen tiefen Winterschlaf. Er kann jederzeit aufwachen und wieder nach Fressen suchen.

Pfote Waschbär

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Die Vorderpfote des Waschbären sieht fast aus wie eine kleine Kinderhand und ist genauso empfindlich. Die Hinterpfote ähnelt einem Fuß. Damit kann der Waschbär stabil stehen und hat die „Hände“ frei zum Fühlen und Tasten. 

Da Waschbären ihre Hinterpfoten stark nach innen drehen können, sind sie auch in der Lage, mit dem Kopf nach unten zu klettern! 

Wie pflanzen sie sich fort?

Im Spätwinter paaren sich die Waschbären. Das Waschbärweibchen wird Fähe genannt. Sie ist ungefähr zwei Monate lang trächtig. Dann bringt sie im April zwei bis vier Junge zur Welt. Das Kinderzimmer liegt meist in einer hohen Baumhöhle. Die Mutter kümmert sich dort alleine um den Nachwuchs. Wenn die Welpen zwei Monate alt sind, können sie klettern und die Höhle verlassen. Dann streifen sie mit ihren Geschwistern und der Mutter umher. Die jungen Fähen bleiben meist ihr Leben lang in der Nähe ihrer Mutter und veranstalten regelmäßig Familientreffen mit anderen Weibchen. Die Männchen verlassen nach einem Jahr ihre Familie. Ausgewachsene Waschbärmännchen lieben es, mit ihren Kumpeln umherzustreifen. Gemeinsam sind sie stärker und können leichter ein Revier gegen andere Waschbär-Banden verteidigen.

 


Wie alt werden Waschbären?

Waschbären könnten bis zu 20 Jahre alt werden. In freier Natur werden sie jedoch selten älter als zehn Jahre. Als Jungtiere müssen sie sich vor dem Uhu oder Fuchs in Acht nehmen. Menschen jagen sie mit Fallen und Gewehren. Oft sieht man an der Straße auch Waschbären, die von Autos oder Lastern überfahren wurden. Am gefährlichsten sind für Waschbären jedoch Krankheiten wie Staupe und Räude. Trotzdem breiten sich die Waschbären weiter aus. Die ersten Bärchen wurden vor knapp 100 Jahren bei uns in Deutschland freigelassen. Damals fand man es interessant, unbekannte Tierarten aus fremden Kontinenten bei uns anzusiedeln. Heute findet man sie fast überall in Mitteleuropa. Alles, was sie brauchen, ist etwas zu Fressen, Bäume, auf die sie bei Gefahr flüchten können, und ein sicherer Unterschlupf. Besonders lieben sie Laubwälder mit Bächen und Seen. Immer öfter findet man sie aber auch in unseren Dörfern und Städten.

Warum mögen viele Menschen Waschbären nicht?

Viele Menschen mögen die Waschbären nicht, weil sie gerne auf Dachböden einziehen und Mülltonnen durchwühlen. Andere ärgert, dass der Waschbär Tierarten frisst, die unter Naturschutz stehen, wie zum Beispiel die Sumpfschildkröte. Daher wird von manchen Menschen gefordert, dass der Waschbär wieder aus Europa verschwinden soll. Doch die schlauen Tiere mit der lustigen Banditenmaske werden sich sicher nicht mehr vertreiben lassen.

Autoren: Clara Hohmann und Dr. Ulf Hohmann, Diplom-Biologe

Alle Abbildungen der Waschbären mit freundlicher Genehmigung von Hohmann/Bartussek: „Der Waschbär“. Oertel & Spörer, 2010

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